Low Carb: die belächelte Revolution

Wie viele Kohlenhydrate braucht eine gesunde Ernährung eigentlich? Schon im 19. Jahrhundert hatte der Engländer William Banting auf diese interessante Frage aus eigener Erfahrung eine relativ überraschende Antwort, die im Laufe der Zeit jedoch immer wieder in Vergessenheit geriet. Erst während der letzten etwa anderthalb Jahrzehnte fand Bantings Idee wieder zunehmend Verbreitung. Und das auf ihr fußende Ernährungskonzept trägt die Antwort auf die Eingangs-Frage praktischerweise gleich im Namen: „Low Carb“, wenig Kohlenhydrate.

Zu Beginn ihrer Wiederentdeckung wurde die kohlenhydratminimierte Ernährung noch belächelt. Als Diät-Trend wurde Low Carb verkannt, als einer dieser Hypes, die einige Monate durch die üblichen Zeitschriften geistern, ehe sie genau so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Doch der Hype ebbte nicht ab. Im Gegenteil: Das Konzept Low Carb wird seit Jahren für immer mehr Menschen zur Blaupause für die eigene Ernährung.

Denn dieses Konzept ist eben nicht nur eine Diät, die kurzfristigen Erfolg verspricht. Low Carb bedeutet eine vollständige, nachhaltige Umstellung der Ernährung. Wichtig ist eine Minimierung der Kohlenhydrate in der täglichen Ernährung. Eiweißreiche Kost, Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte: Letzten Endes bleibt jedem Low Carb-Anhänger die Freiheit der Entscheidung, welche „erlaubten“ Lebensmittel auf dem Teller landen.

Ernährungswissenschaftliche Studien zeigen, dass Low Carb tatsächlich gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Darum postuliert etwa Schweden seit dem Jahr 2013 eine Abkehr von der klassischen Ernährungspyramide hin zum Low Carb Konzept. Eine Bestätigung von staatlicher Seite: Die vermeintliche Trend-Diät Low Carb ist während der letzten Jahre in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Low Carb Ernährung verbrennt, kurbelt an und entspannt

Längst wollen nicht mehr nur die klassischen Diät-Ausprobierer von den gesunden Effekten einer Low Carb Ernährung profitieren. Wegen seiner Vorteile ist Kohlenhydratminimierung in buchstäblich aller Munde. Da wäre der rasche Gewichtsverlust zu nennen.

Durch die fett- und eiweißreiche Ernährung setzt schon während der Nahrungsaufnahme ein anhaltendes Sättigungsgefühl ein, während der Blutzuckerspiegel niedrig bleibt. Heißhungerattacken gehören dadurch der Vergangenheit an. Zudem wird der Stoffwechsel gehörig angekurbelt. Eiweiß und Fett brauchen deutlich mehr Energie zur Verbrennung als eben Kohlenhydrate. Es bleibt weniger zur Einlagerung in den körpereigenen Fettschichten.

Auch die psychische Komponente ist nicht zu verachten: Idealerweise mit sportlichen Aktivitäten kombiniert, sorgt Low Carb für mehr Körperbewusstsein, für ein besseres Gefühl mit sich selbst und daraus resultierend für Entspannung.

Vorübergehende Müdigkeit, kostspielige Lebensmittel

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch Low Carb bringt den einen oder anderen Nachteil mit sich. Gerade zu Beginn der Ernährungsumstellung etwa wird häufig von Müdigkeit und Abgeschlagenheit berichtet. Der Energieverbrauch ist höher, weswegen zunächst auf Reserven zurückgegriffen wird. Die gute Nachricht: Dieses Gefühl der Schlappheit lässt nach, sobald sich der Körper an die Umstellung gewöhnt hat.

Low Carb ist auch eine Kostenfrage. Lebensmittel wie Fleisch oder frisches Gemüse, die statt Nudeln, Kartoffeln oder Brot auf dem Speiseplan landen, sind nicht immer günstig, wenn sie einer gewissen Qualität entsprechen sollen. Und obwohl die kohlenhydratminimierte Ernährung von immer mehr Menschen übernommen wird, hinkt die Lebensmittelindustrie leicht hinterher. Zwar gibt es speziell auf Low Carb ausgerichtete Lebensmittel und Speisen. Doch sind diese im Gegensatz zu den USA oder Schweden hierzulande noch nicht überall zu bekommen. Fehlende Angebote in Restaurants machen das alltägliche Handhaben einer Low Carb Ernährung nicht unbedingt leichter.

Mancher Bäcker hat kohlenhydratarmes Brot in seiner Auslage. Auf Nummer Sicher geht man aber, indem man sich selbst um die Zubereitung der passenden Lebensmittel kümmert. Rezepte und Backanleitungen gibt es zuhauf.

Kohlenhydratarmes Mehl und Flohsamenschalenpulver: eine perfekte Kombination

Beim Kochen und Backen wirft sich jedoch eine Unwägbarkeit auf: Das klassische Weizenmehl bietet zu viele Kohlenhydrate, als dass es als Bindemittel im Low Carb Kontext in Frage käme. Alternativen wie Reis- oder Hirsemehl fehlt wiederum das Gluten, um Teig geschmeidig zu machen. Ergänzend bietet sich hier Flohsamenschalenpulver an. Durch seinen hohen Schleimstoffanteil bindet das Flohsamenschalenpulver zudem Flüssigkeit im Teig und verhilft so Broten und anderen Backwaren zu mehr Elastizität und längerer Haltbarkeit. Es ist nicht nur kohlenhydratarm, sondern auch ballaststoffreich und glutenfrei. Hervorragend lässt es sich auch zur Zubereitung anderer Speisen und Saucen verwenden. Die Einsatzmöglichkeiten sind also vielfältig, was einem abwechslungsreichen Low Carb Speiseplan nur zugute kommt.

Summa summarum ist Low Carb wegen der schnellen Aussicht auf Erfolg und als Anreiz sicherlich für den Großteil derjenigen, die überschüssige Pfunde loswerden möchten, einfacher umzusetzen als Diäten, bei denen fast gänzlich auf Fett verzichtet werden soll. Wer sich für die kohlenhydratminimierte Form der Ernährung über einen längeren Zeitraum entscheidet, sollte sich allerdings auch darüber bewusst sein, dass es einige Regeln zu beachten gilt, z.B. sollte man seinen Fleischkonsum nicht ausufern lassen und bereit sein, sich neue Rezepte oder Speisekombinationen einfallen zu lassen – denn die typischen kohlenhydratreichen Beilagen sind dann – zumindest solange man sich auf diese Weise ernährt – aus den Küchenregalen verbannt.