Gesundes Licht – was ist das? Was bringt uns das?

Kann Licht gesund oder ungesund sein? Ja, durchaus.

Geht es Ihnen auch manchmal so, wenn Sie beim Frühstück das Licht anschalten, dass es sich falsch anfühlt? Es passt nicht. Wir spüren intuitiv, dass wir anderes Licht um diese Uhrzeit benötigen.

Welches Licht uns guttut, hängt von der Tageszeit ab.

Unsere Wohnbeleuchtung ist meist für den Abend ausgelegt. Wenn wir abends das Licht anschalten, fühlen wir uns wohl und behaglich. Und das, obwohl es genau das Licht ist, mit dem wir uns morgens nicht wohlfühlen.

Natürliches Licht

Das Sonnenlicht ist morgens gelblich-weiß und sehr hell. Wir brauchen diese Lichtfarbe, um wach und fit zu werden. Diese Lichtfarbe signalisiert unserem Körper „Wach auf, starte in den Tag“. 

Es gibt spezielle Lichtwecker, die uns sanft mit immer heller werdendem Licht wecken. Von Gelblich wechselt dies zu sehr hellem, weißem Licht.

Wollen wir abends einschlafen, dann dimmt der Wecker ganz langsam das Licht und wechselt immer mehr ins Rötlich-Gelbliche. Unser Körper versteht dann, ‚Melatonin ausschütten, vorbereiten zum Einschlafen‘.

Vormittags ist das Sonnenlicht durch den hohen Anteil an kurzwelligem blauen Licht weißer. Je weiter die Sonne Richtung Horizont wandert, je näher der Abend, umso weniger blaues Licht erreicht uns. Das Licht scheint gelblich oder rötlich.

Helles Licht über Tag macht uns nicht nur tagsüber fitter und leistungsfähiger, es lässt uns auch in der Nacht tiefer schlafen.

Wie Licht den Tag-/Nacht-Rhythmus beeinflusst

Der Tag-/Nacht-Rhythmus des Menschen wird vom Licht beeinflusst. 5% der Ganglienzellen sind fotosensitiv. Diese sorgen für eine Wirkung des Lichts auf den menschlichen Körper, die nichts mit unserem klassischen Verständnis vom Sehen zu tun hat, sie steuern unseren zirkadianen Rhythmus. So wird die Ausschüttung von Melatonin unter blauem Licht mit einer Wellenlänge von 460 – 490 nm unterdrückt. Das heißt, arbeiten wir tagsüber bei dieser Wellenlänge, bleiben wir fit; tun wir dies abends, steht uns eine schlaflose Nacht bevor. Die Entdecker der „inneren Uhr“, Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young, bekamen 2017 hierfür den Nobelpreis. Die Erkenntnisse der Chronobiologie sind also noch relativ neu.

Licht als wichtigster Zeitgeber

Somit ist Licht der wichtigste Zeitgeber für den zirkadianen Rhythmus. Zirkadian bedeutet „rings um den Tag“ (zirka – rund, dian – Tag), es geht um den 24-Stunden Rhythmus.

Ohne äußere Reize, also Zeitgeber, verschiebt sich der Tag-/Nacht-Rhythmus. Die Tage werden dann länger, denn der Körper hat ohne Zeitgeber wie Licht und Lärm einen längeren Tag-/Nacht-Rhythmus. Der wichtigste Zeitgeber ist aber Licht. Da die Tage über das Jahr nicht gleich lang sind, muss die innere Uhr mithilfe externer Signale korrigiert werden.

Völlig blinde Menschen haben keinen Zeitgeber durch Licht. Bei sehenden Menschen wird die innere Uhr jeden Tag korrigiert, bei Blinden passiert das nicht. Der Tag-/Nacht-Rhythmus verschiebt sich kontinuierlich mit gesundheitlichen Auswirkungen. Schlaf- und Wachhormone werden nicht im richtigen Moment ausgeschüttet. Dies führt zu Gereiztheit, starker Tagesmüdigkeit und Konzentrationsmangel. Man nennt dies „Non-24“, eine seltene, in Zyklen verlaufende Schlaf-Wach-Rhythmusstörung.

Die Sonne gibt also den Rhythmus durch den Wechsel der Helligkeit und auch der Lichtfarbe vor. Am Abend fahren wir runter und morgens bringt uns die Sonne auf Vordermann.

Störfaktoren

Nun wäre es eine gute Sache, der Mensch könnte in Harmonie mit seinem Rhythmus leben. Das ist aber nicht so einfach. Wir Menschen stören diesen mit unangenehmen Folgen: Konzentrationsprobleme, Schlaflosigkeit – als Beispiele – sind der Preis.

Was unseren Tag-/Nacht-Rhythmus stören kann:

            ⁃          langer Aufenthalt in Innenräumen

            ⁃          Jet Lag

            ⁃          Leben in äquatorfernen Zonen

            ⁃          helles blaues Licht am Abend (Handy)

            ⁃          Schichtarbeit

            ⁃          falsches Licht am Arbeitsplatz

Auch der Handy-Nutzung können wir uns nicht so einfach entziehen. Ideal wäre es, abends das Handy beiseitezulegen und bei Kerzenschein in einem Buch zu lesen.

Surfen oder chatten wir dagegen abends, versteht unser Körper das als Signal, dass kein Melatonin produziert werden muss. Der Screen ist zu hell und hat einen zu hohen Blauanteil – so wie das Sonnenlicht tagsüber. Der Körper bereitet sich also nicht auf die Schlafenszeit vor. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Blaulichtfilter-Apps für Smartphones, die den Blauanteil filtern sollen.

Zugegeben, nicht alles können wir ändern. Aber vieles lässt sich mit zirkadianem Licht deutlich verbessern. Bei Schichtarbeit und auch Jet-Lag kann intelligentes Licht die Defizite ausgleichen helfen. Eine passende Beleuchtung im Büro und zuhause lässt uns konzentrierter arbeiten und nachts besser schlafen.

Welches Licht tut Ihnen gut – welches hingegen nicht? Machen Sie sich doch einmal bewusst Gedanken, welchen Lichtquellen Sie sich jeden Tag aussetzen. „Gesundes“ Licht hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Ihre Lebensqualität!

Verfasser: Günter Klügl, Lichtdesigner https://www.lightdesigner.art

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Stets gute Gesundheit wünscht das Deutschland verjüngt sich-Team!

(Fotos: am Seitenanfang von Rich Tervet, weitere von Zwaddi, David Mullins, Rodion Kutsaev, alle auf Unsplash.com)